Letzte Änderung: 30.11.2021

Vitamin-C

Ein Klassiker und Multitalent

 

Vorbemerkung in Zeiten von Corona: siehe -> Corona

 

Was ist Vitamin-C?

Ascorbinsäure - so der weniger bekannte, chemische Name von Vitamin-C - dürfte das bekannteste Vitamin überhaupt sein. Der Name Ascorbinsäure erinnert an die Entdeckung des Vitamins zur Behandlung von Skorbut, denn ein Mangel an Vitamin-C hat früher auf Schiffen zur Krankheit Skorbut geführt, die vielen Seefahrern das Leben kostete, bis man entdeckte, dass dem durch eine ausreichende Vitamin-C-Versorgung (durch gut lagerbares Sauerkraut) vorzubeugen war. Vitamin-C ist also lebensnotwendig.
Es ist ein hervorragendes Antioxidans (also ein Fänger freier Radikaler, das sind sehr reaktionsfreudige Stoffwechselprodukte, die zu Schäden im Körper führen würden, wenn sie nicht von Antioxidantien neutralisiert würden.
Das Vitamin unterstützt vor allem das angeborene Immunsystem, das schnell eindringende Krankheitserreger bekämpft, noch bevor das adaptive (also durch vorherige Kontakte mit dem Krankheitserreger oder durch Impfungen "geschulte") Immunsystem wirksam werden kann.
Es beeinflusst 95% unseres Stoffwechsels, ist an 15.000 Stoffwechselvorgängen beteiligt, weshalb es kaum eine Erkrankung gibt, auf die Vitamin-C keinen positiven Einfluss hat.
Daneben erhöht sich der Vitamin-C-Bedarf in Krankheitsfällen um ein Vielfaches, was darauf zurückzuführen ist, dass der Körper seine Vorräte aufbraucht, um gegen die Erkrankung anzukämpfen.
Nur der Mensch und wenige andere Tierarten (Primaten, Hausschweine, Meerschweinchen und Fledermäuse) können Vitamin-C nicht selbst herstellen und müssen es daher mit der Nahrung aufnehmen.

Wie hoch sollte der Vitamin-C-Aufnahme sein?

Um mal Beispiele aus dem Tierreich zu nennen: Hunde stellen bis zu 5000 mg, Katzen bis zu 1000 mg und Ziegen bis zu 12.000 mg Vitamin-C pro Tag her. Und Tiere steigern in Stresssituationen die Produktion um das 4 bis 5-fache. Die Mehrzahl der Molekularforscher* und Vitaminexpert*innen weltweit ist sich darüber einig, dass der Bedarf des Menschen bei 30-50 mg/kg Körpergewicht liegt (also 2.000-3.500 mg/Tag bei einem Erwachsenen). Ursprüngliche Empfehlungen lagen bei 10 mg/Tag. Dass damit nur schwere Krankheiten vermieden werden, aber keine gute Versorgung vorliegt ist auch unserer Deutschen Gesellschaft für Ernährung e.V. (DGE) mittlerweile klar, sie empfiehlt 60-100 mg pro Tag (im Vergleich dazu die offizielle Empfehlung für Meerschweinchen mit 0,5-1,5 kg Körpergewicht: 10-30 mg).  Da erscheint der Wert der DGE geradezu lächerlich - insbesondere wenn man weiß, dass Vitamin-C als wasserlösliches Vitamin praktisch nicht überdosiert werden kann, weil ein Zuviel über den Urin ausgeschieden wird und es bei Stress und im Krankheitsfall zu einem erheblich gesteigerten Bedarf kommt. Laut einer europäischen Studie aus dem Jahre 2008 haben 35 % der 14 bis 80-jährigen einen Vitamin-C-Mangel.

Die Aufnahme von Vitamin-C sollte verteilt über den Tag erfolgen, da es ansonsten nicht vollständig resorbiert, sondern teilweise ausgeschieden wird. Gute Lieferanten des Vitamins sind auch Zitrusfrüchte, aber zu den Spitzreitern gehören eher Kräuter (Koriander, Petersilie, Thymian), Acerolakirschen, Sauerkraut, Paprika, Blumenkohl und Brokkoli. Bei der Zubereitung ist zu bedenken, dass Kochen im Wasser viel Vitamin-C entzieht und beim langen Lagern auch Vitamin-C abgebaut wird.
Der Entdecker des Vitamins, Albert Szent-Györgyi, hat in Versuchen herausgefunden, dass - bei gleicher Menge Vitamin C - ein natürlicher Extrakt, eine viel stärkere Wirkung das isolierte Vitamin hat. Das scheint an den im Extrakt enthaltenen sekundären Begleitstoffe zu liegen, die die Wirkung des Vitamins verstärken. Ein Hinweis sich eher durch gesunde Ernähung, als durch NEMs zu versorgen.

Überdosierungen sind kaum zu befürchten. Bis heute ist kein Fall bekannt, bei der eine zu hohe Vitamin-C-Aufnahme zu ernsten Erkrankungen geführt hat. Allerdings muss bei Tagesdosen von 10.000 mg und mehr mit Durchfall gerechnet werden. Ein sicheres Zeichen, dass die Dosis dann zu hoch war.

Übrigens: Sportler (Ausdauersport), Raucher und Menschen die viel Alkohol konsumieren haben einen erhöhten Bedarf.

Welche Funktionen hat Vitamin-C im Organismus?

Da die Funktionen so vielfältig sind, könnte man damit ganze Bücherreihen füllen, aber die wesentlichen Funktionen sind:
- Aktivierung und Stimulation des Immunsystems
- Stimulation des Nervensystems
- Organisation bei vielen lebenswichtigen Prozessen
- Wichtigstes, wasserlösliches Antioxidans (Radikalenfänger)

Was hat Vitamin-C mit dem Corona-Virus zu tun?

Obwohl das SARS-CoV2 ein neues Virus ist, dürften dennoch nachgewiesene Wirkungen auf andere, ähnliche Viren (andere Corona- und Grippeviren) eine gewisse Übertragbarkeit haben und allgemeine Wirkungen, wie die Immunstimulation sind von größter Bedeutung bei der Verhütung von schweren Verläufen nach der Infektion mit SARS-CoV2.
Deshalb lohnt es sich, einen Blick auf Fakten zu werfen, die durch Studien belegt sind:
- Thema: Erkältung, Grippe, Schnupfen, Tuberkulose - Vitamin C aktiviert die körpereigene Abwehr, verhindert und behandelt zuverlässig die genannten Symptome. Vitamin C hilft bei der Inaktivierung vieler Bakterien und Viren (Ritzel G.: Beurteilung des Vitamin C als Prophylaktikum und Therapeutikum der Erkältungskrankheiten)
- Thema: Infekte (Grippe, Erkältungen usw.) - Aktive Abwehr von Viren und Bakterien durch Anreicherung in den Leukozyten und Aktivierung der T-Helfer-Zellen (Stone I.: The healing factore: Vitamin C against disease)
- Thema: Atemwegserkrankungen - Klinische Studien bezeugen einen positiven Effekt von Vitamin C auf sämtliche Lungenfunktionsparameter.

Darüber hinaus hat die Studie zu Vitamin C und Immunfunktion aus dem Jahr 2017 folgende Ergebnisse gezeitigt:
"[...] Vitamin C trägt zur Immunabwehr bei, indem es verschiedene zelluläre Funktionen sowohl des angeborenen als auch des adaptiven Immunsystems unterstützt.  Vitamin C unterstützt die epitheliale Barrierefunktion [...]. Darüber hinaus scheint die Ergänzung mit Vitamin C in der Lage zu sein, Infektionen der Atemwege und des Systems sowohl zu verhindern als auch zu behandeln." (1)

Und darüber hinaus haben Wissenschaftler in Asien sehr interessante Erfahrungen mit der hochdosierten Gabe von Vitamin-C (per Infusion) auf schwere Fälle von COVID-19-Erkrankten gemacht. Die ersten Ergebnisse liegen bereits vor (s.u.). In Amerika - so berichtet die New York Times - wird nun auch versucht, durch die Gabe von Vitamin-C die schweren Verläufe zu mildern. Dazu Dr. Andrew C. Webber: "The patients who received vitamin C did significantly better than those who did not get vitamin C” und “It helps a tremendous amount, but it is not highlighted because it’s not a sexy drug." Was er mit dem Nachsatz und dem Begriff "sexy drug"meint, ḱann jede/r selbst entscheiden. Es wirft aber sicher kein allzu gutes Licht auf unser Gesundheitssystem, in dem nur an "sexy drugs" geforscht wird. (2)
Hier mag es einen weiteren Hoffnungsschimmer für die COVID-19-Patient*innen geben.

Aber jetzt, genug gelesen, raus an die Frische Luft und bewegen, bewegen, bewegen ...

 

Zum Nachkontrollieren - Studien zum Thema:

(1) National Center for Biotechnology Information: Vitamin C and Immune Function. (zur Studie ->)
(2) U.S. National Library of Medicine: Vitamin C Infusion for the Treatment of Severe 2019-nCoV Infected Pneumonia (zur Studie ->)