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Letzte Änderung: 30.11.2021

Fasten

Eine alte Tradition neu entdeckt, wie uns der selbst gewählte Mangel helfen kann, gesund zu bleiben

 

Vorbemerkung in Zeiten von Corona: siehe -> Corona

 

Warum kann Fasten unsere Gesundheit fördern?

Um zu verstehen, warum Fasten uns helfen kann gesund zu bleiben und auch die Immunabwehr zu stärken, muss man sich mit der Autophagie befassen. Bei diesem Prozess werden im Inneren der Zelle eigenständig Stoffwechselabfälle und schädliche Substanzen entsorgt oder recycelt. Das ist wichtig um Alterung und Stress entgegenzuwirken und zum Beispiel Hunger zu überleben. Die Autophagie, also das Sich-selbst-essen, spielt bei sehr vielen Krankheiten eine Rolle. Wir können krank werden, wenn die Autophagie nicht richtig funktioniert, aber wir können sie benutzen, um Schäden zu reparieren. Für seine Forschung zu diesem Thema erhielt der Japaner Yoshinori Ohsumi den Medizin-Nobelpreis.
Aber die Autophagie ist nicht nur eine Form der zellulären „Müllverwertung“, sondern sie ist nach Untersuchungen der Infektionsforscher auch ein wichtiger Bestandteil sowohl der angeborenen als auch der adaptiven Immunabwehr.
Aber wie kann man nun die Autophagie aktivieren? Bestimmte natürliche Stoffe sind dazu in der Lage, z.B.: Spermidin (siehe Ernährung). Auch Bewegung kann sie in Gang setzen, was ein Grund ist, warum einige Sportarten als so gesund gelten. Aber auch Hungern, also das Fasten kann die Autophagie aktivieren.
Daneben zeigen Untersuchungen von Teams um Andreas Michalsen, Chefarzt der Abteilung Naturheilkunde im Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für klinische Naturheilkunde an der Charité, an Menschen, die am sogenannten metabolischen Syndrom (also dem sehr bedrohlichen gemeinsamen Auftreten von Fettleibigkeit, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung und Diabetes mellitus) leiden, dass Fastenkuren helfen können. Hier wurden auch die positiven und anhaltenden Effekte auf das immunsystem gezeigt, die wohl darauf zurück zu führen sind, dass es Wirkungen auf das Mikrobiom im Darm gibt. Das angeborene Immunsystem bleibt während des Fastens stabil, aber das adaptive Immunsystem fährt herunter, wodurch die Anzahl von entzündungsfördernden T-Zellen ab nimmt und sich gleichzeitig die regulatorischen T-Zellen vermehren. Dieser Befund könnte auch gegen schwere Verläufe von COVID-19 von Bedeutung sein, da es hier zu einer überschießenden Immunreaktion kommt.
Leider gibt es aber nur wenige Studien zu diesem Thema, aber positive Effekt werden von den meisten Wissenschafter*innen nicht bezweifelt.

Welche Arten von Fasten gibt?

In den Religionen spielt Fasten eine wichtige Rolle, bei den Christen in der Fastenzeit zwischen Aschermittwoch und Ostern oder im Islam beim Ramadan. Daneben ist das Fasten aber schon seit Jahrtausenden in der Medizin ein bewährtes Mittel gegen vielerlei Erkrankungen und höchstwahrscheinlich ist das Intervallfasten die natürlichste Form der Ernährung, denn erst in der jüngsten Vergangenheit der Menschheitsentwicklung steht jederzeit Essen zur Verfügung.
In der Heilkunde werden verschiedene Formen des Fastens angewendet, die nicht alle auf jede Nahrungsaufnahme verzichten, sondern bestimmte Nahrungsmittel erlauben. Beim Heilfasten, wird die mehrtägige Fastenkur mit einer Darmreinigung begonnen und am Ende der Fastenzeit durch gezielte Maßnahmen das Fastenbrechen eingeleitet. Diese Fastenkuren sollten unter Betreuung von geschulten Therapeut*innen durchgeführt werden.
Um die Autophagie zu aktivieren reichen allerdings viel kürzere Fastenzeiten aus. Noch ist nicht geklärt und mag auch von Person zu Person verschieden sein, ob 10 oder 12 Stunden ohne Nahrungsaufnahme ausreichen. Mit der vielfach angewendeten Form des Intervallfastens, bei der man 8 Stunden am Tag etwas isst, dann aber 16 Stunden keine Nahrung zu sich nimmt, ist man auf jeden Fall auf der sicheren Seite und wird in den Genuss der heilenden (eventuell auch lebensverlängernden) Wirkung der Autophagie kommen.
Wenn man also das Frühstück ausfallen lässt oder am späten Nachmittag die letzte Mahlzeit zu sich nimmt und dann den Tag mit dem Breakfast, dem Fastenbrechen beginnt, macht man alles richtig. Ein Vorteil: 8 Stunden des Fastens verschläft man dann schon mal.
Eine weitere recht einfach zu verwirklichende Form des intermittierenden Fastens ist es, einen Fastentag pro Woche einzubauen.
Was passiert an diesen Fastentagen: Wir sind endlich mal wieder hungrig, ein in der Zeit dauerhaft verfügbarer Nahrung selten gewordenes Gefühl. Wir lernen, unsere Nahrung wieder mehr zu schätzen, denn jedes Stück Brot erscheint uns als Köstlichkeit. Wenn wir wirklich Hunger empfinden, denken wir selten an Süssigkeiten, Nasch- und Knabberzeug, sondern an sehr einfache Dinge. Daneben gibt es wirksame Effekte auf das Herz-Kreislaufsystem sowie zur Diabetes-Vorbeugung und natürlich können Fastentage bei der Regulation des Körpergewichts und dem Abbau von überflüssigen Fettdepots helfen und damit einen Beitrag zur Gesundung leisten.

Aber jetzt, genug gelesen, raus an die Frische Luft und bewegen, bewegen, bewegen ...

 

Zum Nachkontrollieren - Studien zum Thema:

(1) U.S. National Library of Medicine: Autophagy balances inflammation in innate immunity (zur Studie ->)
(2) U.S. National Library of Medicine: A periodic diet that mimics fasting promotes multi-system regeneration, enhanced cognitive performance and healthspan. (zur Studie ->)

 

 

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