Wohlbefinden

Wie seelische und emotionale Faktoren die Immunabwehr stärken können.

 

Vorbemerkung in Zeiten von Corona:

Es gibt aktuell keinen Impfstoff und es gibt kein erwiesenermaßen wirksames Medikament gegen COVID-19. Deshalb ist es wichtig, dass wir uns vor dem Virus schützen. Dies erfolgt in erster Linie durch die Einhaltung der empfohlenen Hygienemaßnahmen und der Abstandsregeln. Darüber hinaus können wir uns aber schützen, in dem wir unser Immunsystem stärken. Psychische Faktoren können dazu einen wichtigen Beitrag leisten.

Wieso komme ich auf Psyche und Immunsystem?

Eine kleine Geschichte war der Auslöser. Ende Oktober hat mich die Mitteilung eines Freundes erreicht, der berichtet, dass durch einen Zufallsbefund heraus kam, dass seine Mutter mit dem Virus infiziert ist. Die alte Dame ist aktives Mitglied in einer Wandergruppen. Die "Oldtimer" machen jeden Mittwoch den Pfälzerwald unsicher. Fast zeitgleich wurde auch bei einem 87-jährigen Mitglied der Gruppe ein positiver Testbefund erhoben. Die Testergebnisse der beiden legten nahe, dass das Virus schon am Abklingen ist (sehr geringe Viruslast), das heißt, sie haben sich 2-3 Wochen zuvor angesteckt. Es kam dann heraus, dass es einigen der Mittwochs-Wandertruppe im Laufe der vorletzten Woche mal nicht so richtig gut ging, aber alle waren fit und hatten keine Corona-Symptome. Es war also wirklich ein Zufallsbefund, weil zwei "Oldtimer" aus ganz anderen Gründen Kliniken aufsuchen mussten und dabei standardmäßig ein Test gemacht wurde.
Ein weitere Freund - Sportwissenschaftler seines Zeichens - schrieb daraufhin: "Die beiden fitten Oldies kann man mal getrost als Beleg dafür nehmen, dass ein intaktes Immunsystem (Wandervögel) sehr wertvoll in diesen Zeiten sein kann. Man könnte hier sogar die Hypothese ableiten, dass körperliche Aktivität und psychisches (Wohl-)Befinden zusammen (Interaktionseffekt) besonders gut vor einer Erkrankung schützen.😉 Kann/will der DVA hierzu vielleicht ein spezielles Programm anbieten?"
Leider können wir kein spezielles Programm anbieten, aber ich möchte euch motivieren selbst aktiv zu werden. Zusätzlich habe mich auf die Suche gemacht, ob die kühne Hypothese vielleicht untermauert werden kann. Einen positiven Effekt habe ich im Kapitel "Bewegung" ja schon beschrieben und belegt, denn Wandern darf als sehr gesunde Form der Bewegung gelten - besonders, wenn es im Wald stattfindet und der sogenannte "Biophilia-Effekt" noch dazu kommt. Einen ausführlichen und gut recherchierten Artikel zum Thema Waldbaden habe hier: Waldbaden für Körper und Geist – Die Superkraft der Terpene gefunden. Weitere Aspekte möchte ich im Folgenden beleuchten und belegen.

Wieso ist es wichtig positive Gedanken und Gefühle zu haben?

Mehrere wissenschaftliche Studien haben sich der Frage angenommen, ob und wie Gefühle unsere Gesundheit beeinflussen. Dabei wurde beobachtet, dass positive Gefühle Entzündungen entgegen wirken. Positive optimistische Menschen weisen danach niedrigere Entzündungsmarker im Blut auf als Pessimisten, also von den Stoffen, die auf akute und chronische Entzündungen hindeuten, welche für vielerlei Gesundheitsprobleme verantwortlich gemacht werden und das Immunsystem schwächen. (1)
Halten wir also fest: Alte Menschen, die sich nicht vor Corona verkriechen, sondern sich mit anderen treffen, um im Wald zu wandern, dürfen sicherlich als positive Menschen gesehen werden und stärken dadurch die Immunabwehr.

Psychologische Grundbedürfnisse und ihre Auswirkungen

Das Bedürfnis mit anderen Menschen in Kontakt zu stehen, der Drang nach Nähe und guten Beziehungen ist in uns Menschen ganz tief angelegt. Sicher braucht es für die eine oder den anderen auch mal Zeiten der Ruhe und Selbstfindung, aber dies ist gewähltes Alleinsein und nicht Einsamkeit. Schon 1995 veröffentlichten Baumeister und Leary dazu eine vielzitierte Untersuchung (2), die belegt, von welch fundamentaler Bedeutung gute Beziehungen und Nähe zu anderen Menschen für uns ist.
Daneben ist es aber auch wichtig, dass wir Alltagserlebnisse haben, die wir als Erfolgserlebnisse empfinden. Wir sollten also aktiv werden und uns als kompetent erweisen. Auch hier gibt es Auswirkungen auf das Entzündungsgeschehen im Körper. Positive Erlebnisse könne eine schützende Rolle gegen Entzündungsprozesse spielen (3) und damit das Immunsystem stärken.
Das dritte Grundbedürfnis gilt der Selbstbestimmung und Autonomie, ein Gefühl das sich bei Aktivitäten einstellt, die man gerne und freiwillig tut und nicht weil man sie tun muss. Das kann vieles sein und wird für jede*n von uns etwas anders aussehen. Manche lieben es sich mit einem guten Buch zurück zu ziehen, andere schauen lieber einen spannenden Film an; manche gehen gerne ins Theater oder Kino und andere mit anderen Menschen zum gemeinsamen Spazieren in den Wald. Womit wir wieder bei unseren "Oldtimern" wären.
Ich denke, dass man mit Fug und Recht feststellen darf, dass für diese alten, aber aktiv gebliebenen Menschen das gemeinsame Wandern diese drei wichtigen psychischen Grundbedürfnisse befriedigt und damit - welch wunderbarer Nebeneffekt - das Immunsystem stärkt, im realen und konkreten Beispiel so stark, dass es ihnen - entgegen statischer Tendenzen - nur "mal nicht so richtig gut ging", aber stärkere Symptome der Virus-Infektion ausblieben: SARS-CoV2-Infektion ja, COVID-19 nein.

Angst und das Immunsystem

Das Thema "Angst" beschäftigt mich als Abenteuersportler natürlich sehr. Dabei stelle ich immer wieder fest, wie wichtig in Outdoor-Situationen Angst im Sinne von Respekt ist, aber wie gefährlich, wenn sie als wirkliche Angst hemmend und leistungsmindernd wirkt. Aber Ängste, vor allem irrationale und krankhafte, haben auch Auswirkungen auf die Immunabwehr. Wie das epigenetisch funktioniert, wurde vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie untersucht. Es dürfte als gesichert gelten, dass Angst negative Einflüsse hat und es ist nicht vorstellbar, dass ein angsterfüllter Mensch zu oben beschriebenen, positiven Emotion fähig ist - die Gefahr von selbstverstärkenden Schleifen besteht: Ich habe Angst, also verkrieche ich mich, in der Folge fühle ich mich schlecht, die Angst wächst, also ...

Welche Folgerungen darf man ziehen?

Jetzt wird der strenge Wissenschaftler im oben zitierten Freund sicher innerlich kochen und brodeln und es werden die ewigen Argumente kommen: Einzelfälle sind keine Beweise und Korrelationen keine Kausalitäten. Richtig und richtig!
Aber anhand von Einzelfällen kann man sehr wohl eine Hypothese aufstellen (wie ja oben geschehen) und Korrelationen können sehr wohl auf Kausalitäten hindeuten. Ich denke, dass Vieles darauf hindeutet, dass es ursächliche Zusammenhänge zwischen unserer Psyche und dem Immunsystem gibt. Die entzündungshemmenden Wirkungen von positiven Emotionen oder umgekehrt die entzündungsfördernden  Effekte von negativen Emotionen sind gut untersucht und vielfach belegt. Und die Meinung, dass fast alle Erkrankungen und Gesundheitsprobleme mit chronischen und akuten Entzündungen zusammenhängen setzt sich mehr und mehr durch, gerade im Zusammenhang mit COVID-19 geistern Begriffe wie "Zytokinsturm" nun auch durch die öffentlichen Medien.
Zeit daraus Folgerungen zu ziehen: Es scheint gefährlich, wenn im Rahmen der Bekämpfung von SARS-CoV2 Ängste geschürt werden, Menschen (insbesondere alte Menschen) vereinsamen und ihnen die Möglichkeit der Selbstentfaltung entzogen wird. Natürlich ist die Pandemie Grund zur Sorge und der Kampf gegen die Überlastung unserer Gesundheitssysteme fordert mitunter isolierende Maßnahmen, aber wir müssen diese auf das notwendige Mindestmaß reduzieren und alle Möglichkeiten fördern, die im Rahmen der Beschränkungen Kontakte, Aktivität und Wohlbefinden zulassen. Wer unnütz Ängste schürt, gefährdet Menschen ebenso wie die, die sich leichtsinnig über sinnvolle Regeln hinwegsetzen.
Ob die "Oldtimer" wegen ihrer Gemeinsamkeit und Wanderlust die Infektion mit SARS-CoV2 so gut überstanden haben, wird sich streng wissenschaftlich nicht klären lassen. Aber ich freue mich, dass es so ist und möchte hiermit Jung und Alt zu positiven Gefühlen und Freude stiftender Aktivtität motivieren - das Immunsystem wird es danken.

So und jetzt genug gelesen, raus an die Frische Luft und bewegen, bewegen, bewegen - macht's den "Oldtimern" nach …

 

Zum Nachkontrollieren - Studien zum Thema:

(1) PubMed.gov: Positive affect and markers of inflammation: discrete positive emotions predict lower levels of inflammatory cytokines (zur Studie ⇒)
(2) PubMed.gov: The need to belong: desire for interpersonal attachments as a fundamental human motivation (zur Studie ⇒)
(3) ScienceDirect: Daily positive events and inflammation: Findings from the National Study of Daily Experiences (zur Studie ⇒)

 

Auszeichnungen

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